Begrüssung anlässlich der 140-Jahre-Feier am 15.10.2009
Sehr geehrte Frau Bundesministerin für Justiz!
Sehr geehrter Herr Bundesminister aD Dr. Harald Ofner!
Sehr geehrte Präsidentinnen, sehr geehrte Präsidenten!
Spectabilis, sehr geehrte Professorinnen und Professoren!
Hohe Festgäste!
Liebe Freunde und Kollegen!
Als Tischwart des Soupiriums begrüße ich Sie auch im Namen meiner beiden Stellvertreter, den Kollegen Peter Kunz und Horst Auer, sowie namens aller Mitglieder des Soupiriums, sehr herzlich. Wir freuen uns, dass Sie heute gemeinsam mit uns das 140-jährige Bestehen des Soupiriums feiern.
Das Soupirium ist die mit Abstand älteste Wiener Anwaltsvereinigung.
Vor 140 Jahren haben einige Anwälte unter der Initiative von Dr. Max Strauß beschlossen, einander (damals sogar wöchentlich) zum Abendessen zu treffen und über rechtliche Fragen und standespolitische Anliegen zu diskutieren. Die Gründung der „Juristischen Blätter“ durch die Soupiriums-Mitglieder Dr. Johanny und Dr. Burian war ein „Nebeneffekt“ der wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit juristischen Themen.
Das Soupirium wurde zwei Jahre nach Inkrafttreten des Vereinsgesetzes ins Leben gerufen, aber dennoch nicht als Verein konstituiert.
Hintergrund dafür dürfte gewesen sein, dass im Jahr 1869 Vereine einer speziellen staatlichen Aufsicht unterlagen. Die Behörde hatte das Recht, zu jedem Vereinstreffen einen Beobachter zu entsenden, der seinem Vorgesetzten über den Verlauf dieses Treffens berichten musste. Aus diesem Grund fanden offene Diskussionen zur damaligen Zeit entweder im privaten Kreis oder eben bei Tischgesellschaften statt.
In Diskussionen mit langjährigen Soupiriums-Mitgliedern sind wir zu dem Ergebnis gelangt, dass die Gesinnung der Gründungs-Mitglieder des Soupiriums am besten mit „konservativ-liberal“ umschrieben werden könnte.
Auch heute treffen wir einander zu einem Abendessen. Wir „soupieren“ allerdings seit vielen Jahrzehnten nicht mehr wöchentlich, sondern nur einmal im Monat.
Das Soupirium ist bis heute nicht als Verein eingetragen, sondern – als einzige österreichische Anwaltsvereinigung – weiterhin eine „bloße“ Tischgesellschaft.
Wir haben keine Statuten und brauchen auch keine Statuten. Neue Mitglieder werden von ihren Bürgen vorgeschlagen und nach einer geheimen Abstimmung („Ballotage“) bei Zustimmung aller aufgenommen. Der Präsident – genannt Tischwart – wird per acclamationem bestellt. Basis unserer Zusammenkünfte sind kollegialer Respekt und – auch dies sei erwähnt – die Freundschaft unter den Mitgliedern.
Warum das Soupirium in den vergangenen 140 Jahren nicht in einen Verein umgewandelt wurde, ist uns nicht bekannt. Vermutlich wollte das Soupirium mehr durch positive Aktivitäten seiner angesehenen Mitglieder als durch ein formalisiertes Vereinsleben wirken.
Wie vor 140 Jahren ist es auch heute noch unser Ziel, Gedanken und Informationen zu juristischen, gesellschaftspolitischen und standespolitischen Themen auszutauschen.
Viele der anwesenden Festgäste waren schon Gäste unserer Tischgesellschaft. Wir danken Ihnen für die interessanten Vorträge, die anschließend beeindruckende Diskussionen ermöglicht haben.
Mich persönlich hat von Anfang an die Art und Weise, wie mit unseren Gästen – aber auch untereinander – diskutiert wurde, beeindruckt. Ich bin der Überzeugung, dass diese Abende mit unseren Gästen aus Wissenschaft, Justiz, Politik und Verwaltung sehr zum wechselseitigen Verständnis zwischen den juristischen Berufsgruppen beigetragen haben.
Da Aufzeichnungen nicht gemacht wurden oder durch den Verlauf der Geschichte nicht mehr vorhanden sind, können wir Namen bedeutender Soupiriums-Mitglieder vielfach nur auf Basis der Erinnerung langjähriger Soupiriums-Mitglieder wiedergeben. Bemerkenswert ist für mich, dass das Soupirium seit dem Zweiten Weltkrieg vier Präsidenten, zuletzt Kollegen Klaus Hoffmann, und zwei Vizepräsidenten der Rechtsanwaltskammer Wien gestellt hat. Auch der langjährige Präsident des Disziplinarrates, Kollege Alfons Bodart, war Mitglied des Soupiriums.
Erwähnen wollen wir auch unsere bereits verstorbenen Kollegen Franz Schneider, die Universitätsprofessoren Walther Kastner und Fritz Schönherr sowie Dietrich Roessler, welcher auch Mitglied des Verfassungsgerichtshofs war.
Die Tischwarte der vergangenen Jahrzehnte waren die Kollegen Peter Prettenhofer, der leider viel zu früh verstorbene Klaus Braunegg, sowie Stephan Ruggenthaler und mein Vorgänger Horst Auer. Ihnen allen wollen wir heute dafür danken, dass sie die Ideen der Gründungsväter des Soupiriums weitergetragen und auch gelebt haben.
Danken wollen wir auch dem heute anwesenden Universitätsprofessor Walter Barfuß. Danke, dass Sie sich auch nach Ihrer Emeritierung als Rechtsanwalt und als erster Generaldirektor der Bundeswettbewerbsbehörde die Zeit genommen haben, an Soupiriums-Abenden teilzunehmen, um Ihre pointierte Sicht der Dinge in die Diskussionen einzubringen.
Ich hoffe, dass ich Ihnen, sehr geehrte Festgäste, mit diesen Mosaiksteinchen Geschichte und Philosophie unseres Soupiriums etwas näher bringen konnte.
Auch derzeit ist das Soupirium sehr aktiv.
Mit den Kollegen Peter Csoklich, Georg Schima, Armenak Utudjian und Thomas Frad stellen wir vier Mitglieder im Ausschuss der Rechtsanwaltskammer Wien. Weiters stellen wir mit den Kollegen Michael Buresch und Wolfgang Hahnkamper zwei Anwaltsrichter in der Obersten Berufungs- und Disziplinarkommission. Darüber hinaus sind mehrere Disziplinarräte und Anwaltsprüfer Mitglieder des Soupiriums.
Für Aufsehen im Anwaltsstand haben unsere zum Teil bereits umgesetzten Vorschläge zur Modernisierung der Vollversammlung der Rechtsanwaltskammer Wien gesorgt.
Ebenso richtungsweisend waren die Vorschläge unseres Mitglieds Herbert Hochegger im Zusammenhang mit der aktuellen RAO-Novelle.
Ein großer Erfolg war der gemeinsam mit Frau Universitätsprofessor Susanne Kalss an der Wirtschaftsuniversität Wien organisierte Kurs mit dem Titel „Der Rechtsanwalt als Aufsichtsrat“. Diese universitäre Veranstaltung verdanken wir einer Initiative meines Stellvertreters Peter Kunz.
Lieber Peter, Du konntest nicht nur hervorragende Referentinnen und Referenten gewinnen! Durch Deine Auswahl von praxisrelevanten Themen konntest Du allen Teilnehmern einen ausgezeichneten Überblick über die aktuellen Probleme, mit welchen Aufsichtsräte im Allgemeinen und Rechtsanwälte im Besonderen konfrontiert sind, verschaffen.
In diesem Zusammenhang möchte ich betonen, dass diese Veranstaltung nicht nur für Soupiriums-Mitglieder organisiert wurde, sondern allen Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälten offen gestanden ist.
Aufgrund des großen Erfolges und des mehrfach an uns herangetragenen Wunsches sind weitere Kooperationen zwischen dem Soupirium und der Wirtschaftsuniversität Wien geplant. Konkret finden am 22. Oktober und 12. November 2009 Vorträge zu den Themenkreisen „Das Aufsichtsratsmitglied im Strafrecht“ und „Der Aufsichtsrat von Kreditinstituten“ statt.
Auch für die Zukunft des Soupiriums wünsche ich mir, dass sich unsere Gäste und Mitglieder in unserer Tischgesellschaft wohlfühlen und dass wir unsere kollegiale und persönliche Freundschaft weiter vertiefen. Ich wünsche mir, dass wir wie bisher Diskussionen zu relevanten Themen auf hohem Niveau führen und auch weiterhin zur Lösung aktueller rechtspolitischer Fragen beitragen können.
Wir sind sehr stolz, dass wir auch hervorragende Rechtsanwältinnen wie beispielsweise Theresa Jordis und Bettina Knötzl zu unseren Mitgliedern zählen dürfen. Da der Anteil an weiblichen Soupiriums-Mitgliedern noch immer sehr gering ist, hoffen wir, in den kommenden Jahren vermehrt Kolleginnen in das Soupirium aufnehmen zu können.
Ziel der heutigen Veranstaltung ist es, einen Bogen von der Geschichte über die Gegenwart in die Zukunft zu spannen. Wir freuen uns daher sehr auf unsere Festvorträge.
Universitätsprofessor Manfried Rauchensteiner wird uns als Historiker einige Marksteine aus der österreichischen Geschichte seit der Gründung des Soupiriums in Erinnerung rufen.
Universitätsprofessor Christoph Grabenwarter befasst sich in seinem Vortrag mit zukunftsweisenden Themen und wird einige der auf uns Rechtsanwälte zukommenden Herausforderungen aufzeigen.
Sehr geehrte Festgäste, wir danken Ihnen nochmals sehr herzlich für Ihr Kommen und dafür, dass Sie heute mit uns unser Soupirium hochleben lassen.